Die letzten Spiele unserer E-Jugend machte es sehr deutlich: Auf dem Spielfeld stehen Kinder.
Bei der F-Jugend sind einige noch im Kindergarten, während bei der E-Jugend Spieler im Kader stehen, die gerade in die zweite Klasse gekommen sind. Einige besuchen nun die 4.Klasse, eine Klassenstufe, in der es für manche schon um die Wurst geht - Gymnasium oder Hauptschule. Also auch noch andere Sorgen neben dem Fussball. Ich bekomme mitunter den Eindruck, dass dies sehr gern vergessen wird.
Ob Fans oder Trainer oder Eltern: Man erwartet Siege.
Klar, siegen ist schön. Jedes Kind will gewinnen. Und alle Eltern freuen sich, wenn ihre Kinder siegreich vom Feld gehen, statt mit hängenden Köpfen. Feiern ist auch leichter als trösten.
Aber wir dürfen nicht den Fehler machen, nur auf Siege hinzuarbeiten. Das letzte Wort ist hierbei beachtenswert: hinzuARBEITEN.
Kinder sollen noch nicht arbeiten. Sie sollen mit Freude trainieren und dabei das Fussballspielen erlernen. Sie sollen sich auf jede Trainingsstunde, jedes Fussballspiel freuen und keine Angst haben, Fehler zu machen.
Und aus begangenen Fehlern sollen sie lernen. Diese Möglichkeit, aus Fehlern zu lernen, dürfen wir ihnen zum Beispiel nicht nehmen, in dem wir sie auswechseln, weil sie auf einer Position mal nicht gut spielen. Learning by Doing ist im Fussball sehr wichtig.
Andererseits dürfen wir sie nicht dauerhaft auf eine Position festlegen, bloß oder gerade weil sie diese Position optimal spielen.
Und darum halte ich es für nicht sinnvoll, wenn während eines Spiel Rufe kommen, man möge doch den einen oder anderen Spieler herausnehmen oder man sollte doch den Spieler mit der Nr.XY nach hinten nehmen, oder man sollte doch zukünftig die 3 F-Jugend-Legionäre mit aufstellen und so weiter.
Oder Sprüche, die ein Urteil ausdrücken, wer denn nun für welche Position "geboren" sei. Bei Kindern dieser Altersklasse...
Selbst wenn ein Kind bisher die heiß geliebte - was verständlich ist - Stürmerposition innehatte, so wär es nicht vorteilhaft, diese auf alle Ewigkeit zu spielen. Unsere Kinder sollen das Fussballspiel in all seinen Facetten erlernen, nicht ausschließlich Verteidiger, Stürmer oder Torwart. Wenn man versteht, Kinder zu begeistern, dann ist auch das Vermitteln eines unanttraktiven Verteidigerpostens möglich und wird den Kindern den Spaß am Fussball nicht nehmen. Im Gegenteil. Hierzu bedarf es auch der Unterstützung der Eltern und der betreuenden Trainer.
Wenn unsere Helden mal ein Spiel verlieren, dann - so glaube ich - ist dies für ihre sportliche Entwicklung besser, als würden wir immer nur in der optimalen Besetzung spielen und dann gegebenenfalls siegen. Denn dann lernen die Spieler nur wenig, die entsprechend selten zum Einsatz kommen.
Kurzum: Der Spaß am Spiel zählt in dieser Altergruppe, nicht die Jagd nach Siegen und vorderen Tabellenplätzen. Die Lieskauer Fans, Eltern und Verantwortlichen täten gut daran, auch einfach nur Fortschritte, tolle Szenen und Tore zu bejubeln, unabhängig davon, ob das Spiel am Ende siegreich beendet wurde oder nicht. Kollektives Schimpfen auf eine vermeintlich falsche Aufstellung oder „Fehlleistungen“ der Kids helfen unseren helden kaum weiter. Was nützt ein Saalekreismeister als Titel, wenn nur die Hälfte der Mannschaft sicher am Ball und die andere Hälfte seit Jahren auf das Herausschlagen von Bällen aus den Verteidigungslinien spezialisiert ist?
Sollten wir dies zukünftig alle beherzigen, wähne ich uns da auf einem guten Weg, der langfristig allen Lieskauer Spielern eine fundierte Fussballausbildung gewährleistet.
Man mag mich für befangen halten, weil mein Sohn ebenfalls im Nachwuchs spielt, aber als Abteilungsleiter manifestiert sich mein Job eben nicht nur auf Telefonate & Spielverlegungen, sondern eben auch darauf, unsere Nachwuchsarbeit dauerhaft effektiv zu gestalten.
Meine Besserwisserworte begründen sich nicht auf bierglasgeschwängerte Gespräche, sondern haben ihre Grundlagen in den Empfehlungen des DFB. Anbei ein Link zu diesem Thema, der vielleicht den einen oder anderen hier in Lieskau interessieren könnte. Klick hier